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Wagner Verlag © ist eine eingetragene Marke



ISBN: 978-3-86279-191-0

Größe: 13 x 20 cm
83 Seiten, 10 s/w Illustrationen

Gewicht: 124 Gramm

Preis: 7,80
inkl. MwSt


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Karin Boger - Autor/in


Du für mich – ich für dich

Gespräche mit pflegenden Angehörigen 


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Presse




Dachauer Nachrichten
(kwo)
vom 06.02.2012

Ein Gespräch, auf das viele gewartet haben

Karlsfeld - Karin Boger hat ihr Buch über pflegende Angehörige in der Bücherei vorgestellt. Sie hatte vermutet, dass viele Betroffene auf eine Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch hoffen - und genauso war es auch.



Ein Buch, das zum Reden auffordert: Karin Boger hat Menschen interviewt, die ihre Angehörigen pflegen. Die Illustrationen dazu hat ihre Enkelin Julia Eder gemalt. Foto: habschied Karin Boger hatte es vermutet. Sie weiß nun mal, wie das ist, wenn man einen Angehörigen pflegt. Sie weiß, wie sehr man sich manchmal wünscht, sich mit anderen austauschen zu können. Wie oft man an die eigenen Grenzen kommt. Und wie groß Schuldgefühle oder schlechtes Gewissen werden können. Deshalb hat sie ein Buch über das Thema geschrieben - weil sie wusste, wie hilfreich es sein kann, Erfahrungen zu teilen. „Du für mich - ich für dich” heißt es. Karin Boger las in der Gemeindebücherei Karlsfeld daraus drei Interviews vor, die sie mit pflegenden Angehörigen geführt hatte. Sie hatte gehofft, dass dadurch ein Gespräch mit ihren Zuhörern in Gang kommen würde. Und so war es auch. Es schien fast so, als hätten viele Karlsfelder nur auf die Gelegenheit gewartet, endlich einmal mit jemandem über ihre Situation sprechen zu können.
Genau das war auch Karin Bogers Motivation für ihr Buchprojekt. „Ich wollte herausfinden, wie pflegende Angehörige und ihre Schützlinge leben und zurechtkommen”, schreibt sie in ihrem Vorwort. „Und ich stelle mir vor, andere Betroffene wollen dies auch erfahren."
Bei der ersten Lesung aus ihrem Buch bekam sie genau das Feedback, auf das sie gehofft hatte. Es entstand sofort ein Gespräch, viele ihrer Zuhörer berichteten offen über ihre eigenen Erfahrungen bei der Pflege ihrer Angehörigen - so wie Karin Bogers Interviewpartner aus ihrem Buch ehrlich über ihre Situation und ihre Ängste gesprochen haben. Viele Sätze, die die Karlsfelderin hörte, haben sie sehr nachdenklich gemacht. „Ich möchte nicht zu einer Last werden”, sagt sie. „Ich möchte, dass meine Angehörigen traurig sind wenn ich sterbe. Und nicht erleichtert.”
Aber muss es zwangsläufig so schwierig werden, fragt eine Zuhörerin. „Es ist vielleicht unser aller Zukunft”, sagt Karin Boger. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns rechtzeitig Gedanken machen, wie wir mit dem Altern umgehen.”
Ihre Zuhörer bedienen sich am Wein und an den Knabbereien, die Karin Boger für ihre Lesung organisiert hat. Schon nach kurzer Zeit geht das Gespräch längst nicht mehr über die Personen, von denen die Karlsfelderin grade noch vorgelesen hat. Es geht um die Erfahrungen aller pflegenden Angehörigen. Und sie alle haben eines gemeinsam, sagt Boger: „Sie alle sind wunderbare Menschen, die ihr Bestes geben.” Es war ihr ein großes Anliegen, das zu Papier zu bringen, sagt sie. „Und die Geschichten anderer zu erfahren.” An diesem Abend geht sie mit dem Wissen nach Hause, dass es vielen anderen genauso ging. Sie hatte es vermutet.






Münchener Merkur Online
Interview: Katrin Woitsch
vom 23.11.2011

"Niemand darf daran kaputtgehen"





Karin Boger hat sich viele Jahre mit dem Thema Pflege von Angehörigen auseinandergesetzt. Nun hat sie in einem Buch die Geschichten von Familien in dieser Situation gesammelt — und sie in einem Buch aufgeschrieben. „Du für mich — ich für dich”, heißt es. Für Karin Boger ist es mehr als ein Projekt. Es ist eine Herzensangelegenheit.
Steht hinter Ihrem Buch der Wunsch, mehr über Menschen in Pflegesituationen zu erfahren?

Ja. Durch meine pflegebedürftige Mutter ist bei mir zunächst nur der Wunsch gewachsen, zu erfahren, wie andere Menschen Pflegesituationen managen. Erst, als ich schon einige Gespräche geführt hatte, entstand die Idee, daraus ein Buch zu machen. Meines Wissens gibt es bislang nur Ratgeber zu dem Thema, aber keine Erfahrungsberichte.

Dabei ist es ein

Eben. Ich stelle immer wieder fest, dass sich die Leute nicht rechtzeitig mit der Frage beschäftigen, was ist, wenn sie einmal alt sind. Ich kenne 80-Jährige, die noch gar nicht drüber nachdenken möchten. Das ist in meinen Augen total falsch. Man sollte mit der Familie darüber reden.

Machen Sie das?

Ich habe zu meinen Kindern ganz klar gesagt: Auch wenn ich mich irgendwann mal weigere, bringt mich bitte in einem Heim unter, wenn es zu Hause nicht mehr funktioniert. Aber in einem guten.

Wie haben Sie Ihre Interviewpartner gefunden?

Ich hab über die Caritas nach Kontakten gesucht. Ich wusste nicht, ob ich genügend Leute finden würde, die mir ihre Geschichte erzählen. Nicht jeder möchte schließlich darüber sprechen. Aber ich merkte: Es gibt auch viele, die unbedingt erzählen wollen. Ich bin heute noch mit einem Über-80-Jährigen in Kontakt, der stolz ist, in dem Buch erwähnt zu werden und es immer wieder liest.

Anfangs meldeten sich aber nur Frauen bei Ihnen.

Das hängt damit zusammen, dass es zu 75 Prozent Frauen sind, die Angehörige pflegen.

Jeder kann in die Situation kommen, auf Pflege angewiesen zu sein. Aber kann jeder pflegen?

In solche Aufgaben wächst man hinein. Wie wenn man ein Baby kriegt, da braucht man anfangs auch noch Hilfe. Nur dass die meisten Pflegesituationen fließend entstehen. Es fängt oft mit ein paar Einkäufen an oder mit ein paar Autofahrten.

Ist die Gefahr dabei nicht, dass die Liebe zu einem Familienmitglied irgendwann von Überforderung überlagert wird?

Es ist ganz wichtig, aufzupassen, dass man selbst nicht kaputtgeht. Ich habe oft den Satz „Ich bin total fertig!” gehört. Viele Pflegende stellen sich selbst viel zu sehr in den Hintergrund, sie leben nur noch für jemand anderen. Aber es gibt auch Menschen, für die es unglaublich erfüllend ist, andere zu pflegen. Sie lieben es, jemanden zu umsorgen.

Solche Menschen fallen bestimmt in ein tiefes Loch, wenn der Angehörige stirbt.

Ich habe mit einer Frau gesprochen, deren Mann kurz nach dem Interview verstorben ist. Wir haben heute noch Kontakt. Sie erzählte mir, dass sie sich oft wie amputiert fühlt. Ihr fehlt etwas – obwohl sie so eingespannt war und so gelitten hat unter der Situation. Es sind oft zwei Gefühle gleichzeitig: Erleichterung und tiefe Trauer.

Hat man auch schon zur Pflegezeit zwiespältige Gefühle?

Ich glaube schon. In meinem Buch ist eine Situation geschildert, in der eine Frau von ihren Gefühlen hin und her gerissen war. Manchmal hatte sie eine richtige Wut und war ungeduldig mit ihrer Mutter, Andererseits hatte sie oft sehr zärtliche Gefühle für sie. Wie für ein kleines Kind. Das waren Momente, in denen ihr bewusst war, dass ihre Mutter für die Situation nichts kann.

Viele Ihrer Gesprächspartner haben es als Selbstverständlichkeit bezeichnet, einen Familienangehörigen zu pflegen. Will man gerade den eigenen Eltern etwas zurückgeben?

Bestimmt. Aber bei vielen ist es auch eine Verpflichtung. Ich hörte einmal, dass eine Mutter immer wieder betonte, wie schwer es war, ihre Kinder durch die Kriegszeit zu bringen. Das macht ein schlechtes Gewissen. Und es ist oft auch eine Altersfrage. Menschen, die jünger als 80 sind, wollen ihren Kindern so etwas viel weniger zumuten. Ältere sagen ganz klar: Ich hab euch dafür großgezogen, dass ihr mich im Alter versorgt.

Haben Sie durch diese Gespräche Angst vor dem Altern bekommen?

Ich möchte nicht, dass meine Angehörigen mich pflegen und rundum umsorgen müssen. Wenn man ein Pflegefall ist, sollten sich Fachleute um einen kümmern. Sie kennen die nötigen Griffe und werden auch emotional darauf vorbereitet.

Gibt es eine Geschichte in Ihrem Buch, die sie besonders beeindruckt hat?

Ja, ich habe eine Lieblingsgeschichte. Es ist die Geschichte eines Mannes, der seine 20 Jahre jüngere Frau von den Philippinen betreut. Sie hat mich unglaublich berührt. Er hat eine junge Asiatin geheiratet und bestimmt nicht damit gerechnet, sie eines Tages pflegen zu müssen. Für Pflegesituationen gibt es nunmal einfach keine Norm, sie sind so vielfältig wie das Leben.

Sie haben Ihre Interviewpartner gefragt, was verbessert werden müsste. Was ist Ihr eigenes Fazit?

So wie man sich von staatlicher Seite über die Kinderbetreuung Gedanken macht, muss man sich auch Gedanken machen, was mit alten Leuten passiert. Das Alter steht ja schließlich den meisten bevor. Da wird immer noch viel zu viel verdrängt — vom Staat und von Privatpersonen.








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