Das Buch „Die Frau(en) und das Virus“ ist ein Tatsachenbericht über mein Leben, welches sich tausendfach vervielfältigt und das Leben unzähliger Frauen wiederspiegelt, deren Schicksal so ähnlich verlaufen sein könnte, wie das meinige. Ich erzähle von einer Straftat, welche sich im Jahr 1978 und 1979 durch die Gabe von verseuchtem Immunglobulin an damals junge Mütter nach einer Geburt ihres Kindes, einer Schwangerschaftsunterbrechung oder einer Fehlgeburt in der ehemaligen DDR ganzheitlich ereignete.

Erst durch die politische Wende war es möglich zu erfahren, dass siebentausend Frauen den Hepatitis C Virus tatsächlich infiziert bekamen und seither mit der schleichenden Krankheit leben oder diese Tatsache womöglich noch nicht einmal ahnen. Wir wissen nicht, wie viele Frauen uns Jahr für Jahr auf Grund dieser Krankheit verlassen, noch ehe wir uns kennen lernen konnten. Wir lebende Betroffene existieren mit der Sorge und müssen mit den Gedanken an den Tod fertig werden, der allgegenwärtig ist. Wir kennen uns nicht alle persönlich, aber wir wissen voneinander und ein unsichtbares Band hält uns zusammen und führt uns gemeinsam durch unser Leben.

Viele Jahre seit der Infizierung mussten vergehen, bis Frauen aus Chemnitz und anderer Orten den Mut hatten, sich der Öffentlichkeit zu stellen, um Gehör zu finden, vielleicht auch Unterstützung zu erfahren. Eine Gerechtigkeit wird es nicht geben. Behördenmauern mussten und müssen durchbrochen werden und nicht jeder Weg war und ist mit Erfolg gekrönt. Im Gegenteil, es gibt viel wichtigere Dinge in diesem Land, als sich mit lebendigen Individuen zu beschäftigen.

Ich höre viel zu oft die Menschen klagen. Ich höre sie jammern und schimpfen. Wenn ich einem von ihnen mein Leben zum Tausch anbiete, obwohl ich nicht klage, schimpfe und jammere, dann will es keiner haben.

Der Kampf der kranken und trotzdem starken Frauen gab auch mir Mut, mich hin zusetzen und das Thema in ein Buch zu bringen. Ich selbst hoffe nicht auf Ruhm, ich möchte, dass wir Frauen in der Geschichte nicht vergessen werden, die täglich mit Schmerzen erwachen und trotzdem Optimismus zeigen und leben wollen, obwohl nicht eine von uns ca. siebentausend Frauen etwas für das Leid kann. Viele haben ihre Freunde und Männer verloren, als sie von der Tatsache erfuhren, wie auch ich. Wir erleben Ausgrenzung und Abwendungen. Wer will schon mit einer Infizierten etwas zu tun haben?

Viel zu lange schon arbeitet dieser Virus in unseren Adern. Dieser ist darauf programmiert, die Leberzellen zu zerstören. Keine von uns weiß, wie lange der Körper das durchhält. Diese Straftat wurde bislang unter den Tisch gekehrt. Wir sind uns immer noch selbst überlassen. Wir fühlen uns machtlos und alleingelassen. Auf ein medizinisches Wunder warten viele vergebens. Kein anderer Mensch kann uns das Leid abnehmen, aber jeder hat das Recht darauf, wenigstens von diesem Unheil zu erfahren. Täglich können weitere Menschen sich durch Unachtsamkeit mit der selben bedrohlichen Krankheit infizieren. Wir können ihnen helfen, auch wenn wir nur einander zuhören. Eine Ansteckung passiert nicht bei einem Händedruck oder in einem Gespräch, aber wer weiß das schon genau? Beim Lesen über die Krankheit infiziert sich der Mensch auf keinen Fall.

Akten verschwinden, Behörden schieben sich den „Schwarzen Peter“ über Jahre und über eine endlos lange Bank hin und her und wir Betroffenen schauen geduldig zu, weil uns die Kraft fehlt, am Rad der Gerechtigkeit zu drehen und es zu beschleunigen.

Ich wage zu behaupten:

Erst wenn wir in der eigenen Familie, im eigenen Land uns besser verstehen und akzeptieren, uns einander helfen, achten und respektieren, erst dann können wir nach Außen mit Stolz unsere Stärke zeigen.

Sobald wir Betroffenen aufgeben zu kämpfen und uns aus der Öffentlichkeit entfernen, haben wir bis in alle Ewigkeit verloren. Sobald wir unser Lachen, unseren Humor und unsere Hoffnung verlieren, hat die Dunkelheit gesiegt.

Ich danke dem Wagner-Verlag, dass er bereit und bemüht ist, meinen Text und somit das Leben und Schicksal von unzähligen Frauen zu veröffentlichen.


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Autor

Geboren wurde ich 1957 in Bautzen, einer romantischen Kleinstadt in Sachsen.

Nach einer fröhlichen Kindheit studierte ich Musik und Sport und ich bin bis heute der Musik treu.

Als zweifache Mutter lebe ich auf einem Dorf und seit 1999 mit meinem Mann zusammen, der mich tatsächlich heiratete.

Als ich einundzwanzig Jahre alt wurde, traf mich ein schwerwiegender Schicksalsschlag, der mich veranlasst, über Vergangenes und Gegenwärtiges zu berichten, denn ich teile meine Biographie mit siebentausend anderen Frauen.

Im Verborgenem leben unsere Seelen mit einzigartigen Biographien und mit fabelhaften Ideen, die danach schreien Anerkennung zu finden. Meine Seele ruft nach Bekanntgabe einer jahrelangen Geheimhaltung einer medizinischen Straftat, die nicht mehr verborgen bleiben darf.


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Buch
  

Die Frau(en) und das Virus

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Verloren geglaubte Hoffnung
Britt Brandenburger
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ISBN: 3-938623-73-X
Buch:  357 Seiten
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