…Diese Diagnose ist uns allen gemeinsam. Doch ist sie mit einer Krankheit oder einer Schwäche gleichzusetzen? Nein, Mensch zu sein ist doch das Gewöhnlichste auf der Welt. Ebenso wie es gewöhnlich ist, dass der Eine oder Andere noch eine oder mehrere „Unter-Diagnosen“ hat… sei es das Down-Syndrom, Epilepsie, eine Lernschwäche oder Plattfüße. Dennoch sind wir alle in erster Linie Menschen, und um das zu verstehen, sollten wir uns bemühen, unter die Oberfläche „Behinderung“ zu gucken. Nicht selten trifft man dann auf eine liebenswerte Person, deren Bekanntschaft sehr wertvoll für uns wird.

Davon handelt dieses Buch.

Die Autorin Anne Petersmann leistete im Schuljahr 2003/2004 einen Europäischen Freiwilligendienst an einer norwegischen Volkshochschule. Dass diese jedoch wenig gemeinsam hat mit der deutschen VHS und was sie stattdessen kennzeichnet, wird im ersten Kapitel des Buches erläutert.

Daraufhin wendet sich die Autorin derjenigen Schule zu, an der sie selbst zwei Jahre verbracht hat, und die Integration auf eine ganz individuelle Weise umsetzt: „Umgekehrte Integration“ nennt es sich, wenn 2/3 der Schülerschaft eine Behinderung hat und das letzte Drittel sozusagen nicht-behindert ist. Auf der Peder Morset folkehøgskole in Mittelnorwegen leben Jugendliche nach diesem Prinzip zusammen in Internatshäusern. Der Unterricht ist vorwiegend praktisch und integrativ... die Schülern lernen nicht nur miteinander, sondern voneinander .

Ob und wie diese Ideologien funktionieren, erfahren wir durch konkrete Beispiele im dritten Kapitel. Sieben junge Menschen werden uns vorgestellt. Sie alle erzählen aus ihrem Leben in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und wie sie die Zeit an der Volkshochschule erlebt haben.

Unterschiedliche Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen und erzählen unterschiedliche Geschichten… Wir treffen Johanna, die die Diagnose „Down-Syndrom“ als eine Plage bezeichnet, sowie Elin, die sich trotz einer starken Sehschwäche eigentlich gar nicht behindert fühlt. Ähnlich geht es Markus, der sich von zwei ernstzunehmenden Diagnosen nicht einschränken lässt und alles tut, was auch andere Jugendlichen tun. Kristoffer hingegen wehrt sich strikt gegen die Möglichkeit, eine Behinderung zu haben: „Ich bin völlig normal und gesund.“ Das Einzige, was ihm fehle, sei seine Liebste, erzählt er.

Yvonne und Kennet sind zwei Schüler ohne Behinderung, die aber davon abgesehen nicht viel gemeinsam haben. Während Yvonne am liebsten so viele Freundschaften wie möglich knüpft, ist Kennet eher distanziert und immer etwas skeptisch. Und doch sind beide positiv überrascht von einer Schule, zu der sie nicht ganz ohne Vorurteile gekommen sind…

Und zu guter Letzt begegnen wir Marie, einem weiteren Mädchen mit Down-Syndrom. Nach einem Jahr auf der Volkshochschule hat sie nun angefangen zu arbeiten. Ihr Vater spricht von Zukunftsvisionen und Bedeutung von Umgekehrter Integration.

Getragen werden die drei Kapitel von den Erfahrungen der Autorin und ihren eigenen Erlebnissen, welche im Vorwort und Nachwort zu Schwerpunkten werden, so dass auch Anne Petersmann keine Fremde mehr für den Leser ist, wenn er bis zur letzten Seite gelangt ist.

Ein Buch für Menschen mit Interesse an ihren Mitmenschen. Fachleute und Familienangehörige werden gleichermaßen angesprochen wie diejenigen, die mit Behinderten bisher noch gar nicht viel zu tun hatten, oder Jugendliche, die am Programm JUGEND der Europäischen Union interessiert sind.

Kurz: Ein Buch von einem Menschen - über Menschen - für Menschen.


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Autor

Anne Petersmann wurde am 04.03.1984 geboren und lebte bis zu ihrem Abitur im Jahr 2003 im Landkreis ihrer niedersächsischen Heimatstadt Osnabrück.

Die Entscheidung für einen Europäischen Freiwilligendienst in Norwegen beeinflusste ihr Leben nachhaltig. Die integrative Arbeit mit behinderten Jugendlichen inspirierte sie dazu, den Schriftstellertraum zu verwirklichen, den sie schon in der Grundschule träumte: Sie schrieb dieses Buch mit Unterstützung des EU-Programms JUGEND.

Während ihrer insgesamt zweijährigen Arbeit an der Peder Morset folkehøgskole lernte Anne Petersmann Menschen und Pädagogik aus verschiedenen Blickwinkeln kennen und schätzen. Dieses Erlebnis sowie Einfühlsamkeit und Verständnis ermöglichten der 21-Jährigen, ein Fachbuch zu schreiben, das unter die Oberfläche geht – auch ohne jahrelange Berufserfahrung.

Zurückgekehrt nach zwei Jahren Aufenthalt in Norwegen, studiert sie nun seit Oktober 2005 „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ an der Universität in Hildesheim.


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Diagnose: Mensch

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Tatsachenbericht



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Umgekehrte Integration als Modell für die Zukunft?
Anne Petersmann
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ISBN: 3-938623-66-7
Buch:  126 Seiten
Preis: 
inkl. MwSt 
11,90€