Timon, ein Idealist voller Tagträume und jugendlicher Hoffnungen, reist zusammen mit seinem Vater nach Athen. Bereits auf dem Weg dahin unterhalten sich die beiden über die Schönheit des Lebens. Timon sieht darin eine ideelle Schönheit, die mit Klugheit verbunden ist, während sein Vater die hedonistische Seite der selbigen anpreist. In Athen angekommen, lächelt die Schutzgöttin der Stadt, die helläugige Pallas Athene, dem Timon zu und begrüßt ihn freundlich. Sein Freund Alkinoos treibt am nächsten Tag die hedonistische These auf die Spitze und bringt im Dialog über das Leben den egoistischen Glücksbegriff ins Spiel, den Timon platonisch und dezidiert abwehrt. Dies ist bereits schon der zweite polemisch-ethische Dissens und ein nüchterner Schritt zur „Entzauberung“ unseres Helden, obwohl ihm sein Vater und sein Freund dazu dialektisch noch nicht das Wasser reichen können. Sie sind argumentativ gegen den platonischen Idealismus von Timon zu schwach auf der Brust. Bis dato sind es für Timon nur geistige Trockenübungen, nur Trockenschwimmen, bevor er ins kalte Wasser der Gefühle, der nackten Realität und der anspruchsvolleren Dialektik zusammen mit der klugen Annea geht.
Timon bringt bei seiner ersten Begegnung mit der Schönen nur die nötigen seelisch-geistigen Prädispositionen mit. Deshalb beschließt Aphrodite, dass „zu seinem eignen Gewinn“ endlich sich die kluge und schöne Hetäre Annea zu ihm gesellt, aber wohlgemerkt vorerst nur als gute Freundin. Die Annea ihrerseits transportiert bloß die geistig-körperliche Liebe, erfährt also auch einen regressiven Mangel derselben, indem ihre Liebeserfahrung in den scheinbaren „regressus ad infinitum“ des zirkulierenden Hedonismus zu kollabieren droht. Timon sieht in Annea seine lang erträumte Märchen-Prinzessin, sie hingegen in ihm den treuen Freund, der sie aus der Aporie der irdisch langweilig gewordenen Gelüste in die Sphäre der höheren, seelischen und geistigen Liebe führt.
Annea und Timon verabreden sich im Dionysos-Theater zu Athen. Dort macht sie ihn geschickt eifersüchtig, indem sie mehreren Männern gestattet, ihr den Hof zu machen. Timon erzählt der schönen Annea ein Brotgleichnis, welches für sie sehr überzeugend klingt. Danach schreibt Timon ein Klagelied mit Hilfe des Orpheus. Später will er von Annea Abschied nehmen, doch sie beginnt ein Gespräch über die Seele des Lebendigen und die beiden verlieben sich erneut ineinander. Endlich stehen sich zwei kongeniale Gesprächspartner gegenüber. Timons Stärke liegt in seinem Idealismus. Anneas stärkste Waffe ist ihr Alter und ihre Erfahrung. Sie ist drei Jahre älter als Timon und eine angesehene Philosophin an der Akademie zu Athen, und sie besitzt eine beträchtliche Liebeserfahrenheit, die sie freizügig genießt. Aber auch ihr stolzer und pragmatischer Scharfsinn für das griechische Drama, das komische und tragische Element darin, kommt in analytischem Ansatz besonders zur Geltung. Beide Hauptpersonen durchgehen einen vielschichtigen Kreis der Liebe, der im Fortgang von Siegen und Niederlagen, Hoffnungen und Enttäuschungen, Triumph und Einsamkeit handelt.
Die arkadische Idylle dauert scheinbar an, bis sich die Ereignisse in Athen plötzlich überstürzen: Timon lernt zufällig Anneas Liebhaber kennen, nicht ohne in größte Verwunderung zu verfallen, der Athenische Rat beschließt den Beginn des Krieges, der alles Unheil in die Stadt zu bringen scheint.
Am 17. September des Jahres 1978, unweit des Ufers der schönen blauen Donau in der kleinen Ortschaft Knezevo, im heutigen Kroatien, habe ich das Licht der Welt erblickt. Ich bin das Kind Donau-Schwäbischer Abstammung. Im Jahre 1991 kam ich nach Deutschland. Ich bezeichne und verstehe mich selbst als Kosmopolit, und zwar primär aus politischem Bewusstsein.
Meine Jugend habe ich zuvörderst mit der Lektüre der alten und neuen Dichter verbracht, ehe ich anschließend seit dem Sommersemester 1999 in Tübingen als Student wissenschaftlich bei den Philosophen in die Schule ging. Zur Zeit anno 2005 lebe und schreibe ich in Tübingen.
|
Timon. Eine OLYMPISCHE Liebe
|
![]() Roman, Gedichte E-Mail Webseite |
Tibor Schneider ![]() ISBN: 3-938623-64-0
| ||||||||